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Beispiel Guter Praxis: NIB

Umsetzung der Ökologischen Nachhaltigkeit in der Beruflichen Bildung

Mit dem Programm Nachhaltig im Beruf - zukunftsorientiert ausbilden (NIB) wird eine nachhaltigkeitsorientierte Berufsbildung in Betrieben sowie in außer- und überbetrieblichen Berufsbildungsstätten gefördert. Im Fokus der ersten Förderungen steht die Qualifizierung des ausbildenden Personals.

Steckbrief

Insitution Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Programm Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden
Förderperiode 2021 – 2027
Querschnittsthema Ökologische Nachhaltigkeit
Förderschwerpunkt Investitionen in allgemeine und berufliche Bildung und lebenslanges Lernen
Quellen/Dokumente

Förderrichtlinie NIB
Das Programm NIB beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Kontakt

Fachlich-inhaltliche Begleitung: E-Mail
Administration: E-Mail

 

Um welche Herausforderung geht es?

Nachhaltige Entwicklung hat angesichts der gegenwärtigen Klimaveränderungen und Energiekrisen eine hohe Dringlichkeit. Um die nachhaltige Entwicklung und die dafür notwendige sozial-ökologische und wirtschaftliche Transformation voranzutreiben, bedarf es entsprechend ausgebildete Fachkräfte. In der beruflichen Bildung sind dafür in den letzten Jahren wichtige Anpassungen bzw. Modernisierungen vorgenommen worden (vgl. u.a. die erweiterte Standardberufsbildposition „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“). Die systematische und flächendeckende Verankerung von nachhaltiger Entwicklung in Ausbildungsprozessen und -strukturen blieb bisher jedoch aus.

Die Umsetzung nachhaltiger Entwicklung wird durch internationale und nationale Abkommen und Strategien, – wie die Agenda 2030 mit den SDGs oder die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie – nachdrücklich gefordert und ist im nationalen Recht verankert. Und auch im Bundesprogramm des ESF Plus soll das Querschnittsthema Ökologische Nachhaltigkeit eine große Bedeutung haben und in den Programmen im Rahmen des Doppelansatzes sowohl als spezifisches Ziel als auch im Rahmen des Mainstreamings umgesetzt werden. Tatsächlich findet sich jedoch im ESF Plus auf Bundesebene zum jetzigen Zeitpunkt nur das Programm NIB, das die nachhaltige Transformation zum Schwerpunkt hat und einen spezifischen Beitrag vor allem zur Ökologischen Nachhaltigkeit leistet.

Was wird gemacht?

Dem Programm liegt der konzeptionelle Ansatz der Beruflichen Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BBNE) und damit ein Nachhaltigkeitsverständnis zugrunde, das die drei Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung (Ökologie, Soziales, Ökonomie) zusammen mit der Generationengerechtigkeit denkt. Durch BBNE werden sowohl Informationen über Umwelt und globale Zusammenhänge einer nachhaltigen Entwicklung vermittelt als auch Menschen zum nachhaltigen Handeln befähigt. Das Ziel des BBNE-Ansatzes ist es, nachhaltiges Denken und Handeln innerhalb der Berufsbildung zu verankern (siehe auch BBNE beim BIBB). Deutschland hat sich über das SDG 4 der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie dazu verpflichtet, „Bildung für nachhaltige Entwicklung gezielt in allen Bildungsbereichen strukturell zu verankern”.

Um die Transformation hin zu einer nachhaltigen Entwicklung fest in Ausbildungs- und Arbeitsprozessen zu verankern, hat das Programm „Nachhaltig im Beruf - zukunftsorientiert ausbilden” zum Ziel, die Rahmenbedingungen für und durch die Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung zu stärken. Das ausbildende Personal soll in die Lage versetzt werden, Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil der beruflichen Lehr-/Lernprozesse zu etablieren. Laut Richtlinie umfasst dies „sowohl den Ausbau der nachhaltigkeitsbezogenen fachlichen Potenziale der jeweiligen Berufe als auch die entsprechende Gestaltung der Lehr-/Lernsettings und der Lernorte”. Nachhaltigkeit wird dabei als ein bei allen beruflichen Tätigkeiten, Arbeitsprozessen und Verfahren zu berücksichtigendes Handlungsprinzip verstanden.  

Im Rahmen der ersten von mehreren Förderrunden im Programm sollen konkret nachhaltigkeitsbezogene berufliche Handlungskompetenzen des ausbildenden Personals gefördert werden (Gegenstand der Förderung 2.1.) und BBNE-Qualifizierungsangebote für das ausbildende Personal in Weiterbildungseinrichtungen aufgebaut, ausgebaut und etabliert werden (2.2.). Weiter sollen BBNE-förderliche Rahmenbedingungen gestaltet werden (2.3.). Es sind u.a. Maßnahmen zur Stärkung von BBNE im Prüfungswesen, zum Auf- und Ausbau von BBNE-Netzwerken sowie Qualifizierungsmaßnahmen für Entscheidungsträger*innen und Multiplikator*innen der Berufsbildung förderfähig. Bei den Vorhaben sollen geeignete Institutionen, relevante Partner*innen, Schlüsselakteur*innen und Multiplikator*innen eingebunden und die Angebote der Vorhaben verbreitet werden.

Für die fachlich-inhaltliche Begleitung des Programms hat das BMBF das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) beauftragt. Das BIBB trägt zur Vernetzung bei und befördert durch Öffentlichkeitsarbeit den Transfer der Programmziele und -ergebnisse in die Fachöffentlichkeit und Berufsbildungspraxis.  

Aspekte der Ökologischen Nachhaltigkeit – dies wird in den Projektauswahlkriterien herausgestellt – sind nicht nur zentraler Gegenstand des Programms – sondern sollen im Rahmen des Mainstreamings auch „in allen Handlungsfeldern und allen Phasen der Projektumsetzung (Vergaben, Materialbeschaffung, Dienstreisen u. a.)“ beachtet werden.

Warum ist das Gute Praxis?

Das Programm ist ein Beispiel guter Praxis für die Umsetzung der Ökologischen Nachhaltigkeit, weil es auf die notwendige nachhaltige Transformation im Berufsbildungswesen reagiert. Durch den kohärenten Ansatz setzt es nicht auf punktuelle Maßnahmen, sondern auf breitenwirksame Transformation, Transfer und Verstetigung.

Das ist gute Praxis, weil

  • das Programm auf einer gründlichen Analyse aufbaut, an Bestehendem anknüpft, klare Ziele formuliert und daraus konkrete Ansatzpunkte und Fördervoraussetzungen für die Umsetzung durch die Vorhaben ableitet,
  • das Programm den Bereichsübergreifenden Grundsatz der Ökologischen Nachhaltigkeit im ESF Plus umsetzt. Es leistet damit einen Beitrag zur Umsetzung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie (explizit zu SDG 4) und trägt den Verpflichtungen der Agenda 2030 /SDGs, des European Green Deals, des Klimaschutzgesetzes, des „Nationalen Aktionsplans Bildung für nachhaltige Entwicklung” sowie des Koalitionsvertrags von 2021 Rechnung,
  • das Programm nachhaltiges Denken und Handeln zum Ziel hat und dem Programm ein zukunftsfähiges Nachhaltigkeitsverständnis zugrunde liegt,
  • das Programm dort ansetzt, wo zukünftige Fachkräfte ausgebildet werden. Diese zukünftigen Fachkräfte im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung so auszubilden, dass sie lernen, ökologisch, sozial und ökonomisch für heutige und folgende Generationen verantwortlich zu handeln, ist zeitgemäß,
  • das Programm Ökologische Nachhaltigkeit im Sinne des Doppelansatzes sowohl als spezifisches Ziel wie auch als Querschnittsaufgabe versteht (BBNE-Ansatz),
  • dem Programm ein konzeptioneller Aufbau innewohnt, mit dem ein umfassender Blick auf den Beruf, den Betrieb, die Branche und das gesellschaftliche Umfeld einher geht. Im Sinne eines „ Whole Institution Approach” verfolgt NIB das Ziel, die gesamte Bildungsinstitution, d.h. den gesamten Lernort, Lernprozesse, Methoden, Prüfungswesen, Beschaffung etc. nachhaltig auszurichten,
  • das Programm auf eine feste Verankerung und Verstetigung von BBNE zielt, indem explizit Strukturen bzw. Rahmenbedingungen verändert werden sollen und Vernetzung und Transfer eine wichtige Bedeutung haben,
  • das Programm mit dem BIBB eine kompetente fachlich programmbegleitende Stelle hat, die über langjährige Expertise im Bereich BBNE verfügt und eine wesentliche Rolle bei allen Veränderungen der Ausbildungsregularien einnimmt.

Was ist für den Transfer zu beachten?

  • Da es sich um das bislang einzige Programm mit einem Schwerpunkt auf der ökologischen Nachhaltigkeit im ESF Plus handelt, ist der Gesamtansatz für andere Programme nicht direkt übertragbar. Für einen Transfer kommen allerdings einzelne Grundprinzipien, Ansätze und Vorgehensweisen von NIB in Frage.
  • Programme mit Komponenten, bei denen es um Qualifizierung sowie Aus- und Weiterbildung geht, können dem Nachhaltigkeitsverständnis des Programms folgen, bei dem die drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung – ökologisch, sozial und ökonomisch – zusammengedacht werden. Geht es speziell um die berufliche Aus- und Weiterbildung z.B. für benachteiligte Zielgruppen, kann Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) als Referenzrahmen verwendet und damit Nachhaltigkeit als Grundprinzip verankert werden.
  • Die bei NIB vorgenommene Ableitung der Zielsetzung und der förderfähigen Maßnahmen aus einer guten Problemanalyse unter Rückgriff auf bisherige Erfahrungen und zukunftsfähige Konzepte ist sowohl für andere Programme als auch auf der Projektebene nachahmenswert.  
  • Wenn es um langfristige Veränderungen hin zu ökologisch nachhaltigem Handeln und Wirtschaften geht, sind Ansätze wie in NIB, die auf strukturelle Veränderungen setzen, erfolgversprechend. Dafür müssen – wie in NIB erfolgt – die zentralen Hebel für Veränderungen innerhalb der Strukturen identifiziert und angegangen werden, und eine Einbindung der zentralen Akteure für die Umsetzung, Verbreitung und Verstetigung muss erfolgen. Ein Wandel hin zu einer an BBNE ausgerichteten beruflichen Bildung setzt eine strukturell verankerte Kompetenzerweiterung der Ausbilder*innen voraus.

Gute Praxis zum Download

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